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Stellungnahme von Josef Zotter von der Schokoladenmanufaktur Zotter in Österreich für die Kundinnen und Kunden von dwp – die WeltPartner:

Liebe Weltladen-MitarbeiterInnen,
liebe Partner des Fairen Handels!

nach den letzten Wochen der intensiven Medienberichterstattung möchte ich die Gelegenheit nützen und mich bei Ihnen zum Thema neues Fair-Zeichen bei Zotter zu Wort melden.
Ich habe seit 2004 mit viel Engagement und Herzblut das Fairtrade-Siegel als Zeichen für den Fairen Handel mit Stolz auf meine Produkte platziert. Aber wir als Unternehmen entwickeln uns weiter und auch Fairtrade hat bereits in den vergangenen Jahren neue Wege eingeschlagen. Leider führen diese Wege nicht mehr in die gleiche Richtung. Daher habe ich mich entschlossen, die Lizenzpartnerschaft mit Fairtrade Österreich mit Jahresende zu beenden.

Was ist der Grund dafür?
Mengenausgleich. Ein Beispiel: Ein Schokoproduzent kauft für 10 Tafeln fairen Kakao ein und für 90 Tafeln konventionellen, nicht-zertifizierten Kakao. Der Kakao wird gemischt, 100 Tafeln produziert, aber nur 10 Tafeln davon tragen das Fairtrade-Logo, obwohl rein rechnerisch in jeder Tafel 10% faire Kakaobohnen stecken und 90% konventionelle. Oder bildlich gesprochen: Sie produzieren 10 vegane Burger, und 90 Fleischburger, damit es einfacher ist faschierten Sie alle Zutaten zusammen – und schreiben bei 10 Burgern „Vegan“ auf das Schild – und bei den anderen eben nicht. Fakt ist – jeder bekommt Fleisch – und ein bisserl Gemüse, aber möchte der Kunde das? Fairtrade hat diesen Weg gewählt um neue Märkte zu erschließen. Wir schätzen die Arbeit von Fairtrade und wünschen dem Siegel auch weiterhin viel Erfolg, auch wenn wir es nicht mehr als Lizenzpartner unterstützen..
Wir möchten keinen Mengenausgleich – und unsere Kunden auch nicht.
Wir glauben, dass Kunden, die faire Produkte kaufen und dafür auch bereit sind einen etwas höheren Preis zu zahlen, auch wirklich die fairen Zutaten in ihren Produkten bekommen sollten. Wir möchten unseren Kunden eindeutige Klarheit bieten und setzen daher auf das Prinzip der physischen Rückverfolgbarkeit, wie übrigens das die EZA in Österreich, dwp – die WeltPartner und die gepa in Deutschland das auch machen. Damit sichergestellt wird, dass auch wirklich drin ist, was draufsteht.

Ich stehe mit meinen Produkten und meinem Namen für 100 % Bio + Fair + Bean-to-Bar und setze ab dieser Saison unser neues Fair-„Handzeichen“ ein. Wir werden Mitglied bei der World Fair Trade Organisation (WFTO), die unser Unternehmen als Ganzes nach fairen Richtlinien prüft. Wir kaufen unsere Rohstoffe nach wie vor von Bauern und Kooperativen, die von FLO (Fairtrade-Label-Organisation) zertifiziert sind und bezahlen direkt an die Kooperativen eine Qualitätsprämie die direkt vor Ort ankommt und weit über dem Mindestpreis von FLO liegt – und sogar bis zum dreifachen über dem Börsenkurs. Damit können wir eine physische Rückverfolgbarkeit bis zum Hersteller garantieren und sicherstellen, dass unsere Zahlungen auch dort ankommen, wo die Leistung entsteht – beim Kakaobauern! Übrigens, dies betrifft auch Rohrohrzucker und Kakaobutter, die bei uns ebenso physisch rückverfolgbar sind.

Zu diesem Thema wird es noch viele Diskussionen geben, das ist auch gut so, denn man muss auch immer wieder hinterfragen, ob der Weg noch der richtige ist. Nähere Infos zum neuen „Hand-Zeichen“ finden Sie auf unserer homepage – und gerne stehen meine MitarbeiterInnen und ich Ihnen auch jederzeit für persönliche Gespräche zur Verfügung.
Zu diesem Thema gibt es ja auch einen Blogbeitrag auf der Weltladenseite, den ich hier gerne noch einmal anführe.
https://www.weltladen.at/was-uns-bewegt/newsdetail/zotter-laesst-die-massenbilanzierung-hinter-sich/

Damit der Faire Handel auch weiterhin für alle Beteiligten fair bleibt,
mit den besten Wünschen und herzliche Grüße,
Ihr

Josef Zotter
Chocolatier, Bauernhofromantiker und Andersmacher

Zotter- Schokoladen-Manufaktur GmbH
www.zotter.at